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WIE IM RAUSCH
Reinhold Weinmann von der Galerie Grandel zeigt unter dem
Titel
„Lucky Space III“ Werke des Karlsruher
Künstlerehepaars Nicole Daudert und Jochen Schambeck.

Das Künstlerpaar Nicole Daudert und Jochen Schambeck,
er 1964
geboren, sie zwei Jahre jünger, lebt und arbeitet in
Karlsruhe, aber nicht im gleichen Atelier. Soviel Distanz muss
sein. Das zeigt auch die Ausstellung, es ist die dritte gemein-
same bei Reinhold Weinmann. Er ist der Brachiale, sie die
zögernde, in nicht hinterfragbare Sensationen Verstrickte.
Das Unsagbare zu etwas Fertigem zu verdichten ist eine Kunst,
die gelernt sein will. Dauderts an der Begegnung mit der
gelebten Wirklichkeit, an Landschaft und Stimmung geschulte
Malpraxis kann das. Geschichten werden erzählt, ihr Inhalt aber
nicht verraten. Sie malt schnell, verbindet Ordnung und Vielfalt,
das Feste und das Fließende, zeigt und streicht gleich wieder
durch. Irgendwann ist die Reise über die Bildfläche zu Ende.
Dann ist das Bild fertig. Das Rätsel aber bleibt.
Was die Taten und Wirkung der bis zur schieren Buntheit
eingesetzte
Farbe angeht, lässt sich Jochen Schambeck nichts
vormachen. Farbe als haptisch eingesetztes Material, in dicken
Batzen rüde auf die einfarbige Malfläche geworfen, mit Pinsel
und Hand hineingearbeitet, durch Drippings belebt und durch
bewusst gesetzte Linien großzügig zusammengehalten –
was schon manchen zu der (falschen) Assoziation„Blumenbilder“
verleidet hat. Ein hochgemuter Brutalismus wird hier
sichtbar.
Die Wirkung: dramatisch trotz des handlichen Formates. Der
monochrome Bildgrund neutralisiert die Unruhe der Malerei,
liefert die Pausen und die Ruhezonen für das Auge- „Lay out“,
Entwürfe nennt Farbfreak Jochen Schambeck die auf 2019
datierten irritierenden Bilder.
Sigrid Feeser, RHEINPFALZ, 17.3.2020
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TATORT ATELIER
Auszug aus der Eröffnungsrede von Paula Kohn zur Eröffnung der
Ausstellung "Tatort Atelier"in der Galerie Klinger and me 03/2019
…… vor einem leuchtend grünen Hintergrund ein Tisch mit
weißer Platte, rustikalem dunklen Unterbau, der auf
merkwürdige Weise bestrahlt scheint. Kein Raum, keine
Hinweise, das Grün verliert sich im unteren Drittel wie
weggeschwemmt und gibt die Sicht frei auf eine
durchscheinende Fläche, eine hintere Schicht, die verhängt
wurde.

Relativ nüchtern beschreibt Nicole Daudert heute die
Entscheidung von damals, sich in der Malerei auf das zu
konzentrieren, was unmittelbar vor ihr war: Sie wusste nicht,
was sie malen sollte. Es gab ja schon alles. Also nahm sie das,
was da war.
Der Tisch ist für sie schon immer ein wichtiger Arbeitskollege im
sonst eher einsamen Schaffen als Malerin. Ein Gegenstand, mit
ganz praktischen Funktionen, wie Ablagefläche, Erhöhung. Man
kann etwas ablegen, etwas ausbreiten. Sich einen Überblick
verschaffen. Eine Arbeitsfläche einrichten. Doch erschafft er
auch einen Ort der Anziehung. Der Tisch bietet Gelegenheit für
eine Pause. Eine Besprechung, oder ein Gedankenspiel…
ein Ort der strategischen Kreativität und Planung. Ein Ort der
Möglichkeiten. Und so fügt es sich, dass der Tisch, der eine
zentrale Arbeit dieser Ausstellung darstellt, Ausgangspunkt
werden soll, für Nicole Dauderts Malerei und die malerische
Erforschung ihrer Umwelt.
Es folgen malerische Studien ihrer Ateliersituation. Das Atelier
wird vom Ort der Tat zum Tatort, zum Objekt einer Untersuchung
……Das Atelier als Faszinosum. Werkstatt, Labor und
Wunderstube in einem, in dem irgendwo zwischen
Pragmatismus
und Virtuosität die Dinge geschehen,
die im besten Falle zu Kunst
führen…..
Es sind diese Dinge, die für Nicole Daudert direkt und indirekt
zum Sujet werden, als sie beginnt, die Trennwände zu malen,
mit denen die Ateliernachbarn ihre Arbeitsplätze abschirmen.
Die Wände, die Marker für „hier ja“, „hier nicht“… „hier gehen“,
„hier stehen“…
Es beginnt ein ästhetischer Diskurs über die Eigenheiten des
Ateliers in dessen Zentrum stets Fläche und Farbe als
Informationsträger für bauliche aber vor allem atmosphärische
Eigenschaften ihres Umfelds stehen. Aus dieser
Auseinandersetzung mit ihrer räumlichen Umgebung erwächst
Dauderts malerische Position in zunehmender Freiheit.

Größer werden die Abstände zwischen ihr, ihren Sujets und dem
Augenblick der Malerei. Ihr Blick wendet sich nach draußen in die
Natur. Es entstehen kleine Formate, wie Schnappschüsse.
Manche von ihnen wie Makroaufnahmen biologischer Studien,
andere Landschaftsbilder.
Es scheint plötzlich, als würde sie nun andere Zeitspannen malen.
Als wäre ein Bild die Erinnerung an einen Spaziergang oder eine
Reise, nicht die an eine Perspektive. Ihre Malerei löst sich von
unmittelbaren Vorlagen. Sie wird eigenständig, entwickelt eigene
Präferenzen und Bedürfnisse. Ordnet sich weniger den
Gegebenheiten unter und gewinnt an Abstraktion.
Der Ort weicht der Zeit als Leitmotiv ihrer künstlerischen Arbeit
und
der Prozess des Malens selbst rückt in den Vordergrund.
Nicole Daudert malt schnell. Die Farbe kann gar nicht schnell
genug
trocken werden, sagt sie. So nimmt auch die
Körperlichkeit Einzug
in ihre Bilder. Bewegungen, Gesten
werden für sie zum
Ausdrucksmittel. Den Flächen stehen nun
organische Formen und Linien gegenüber, die dennoch nichts
an der für Nicole Daudert
so typischen Klarheit verloren haben. ….
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Visionen
Auszug aus der Eröffnungsrede von Reinhold Weinmann
zur
Ausstellung "Nicole Daudert - neue Arbeiten - Malerei"
in der Galerie Grandel in Mannheim 2017
......Sich dem Duktus ihrer Handschrift versichernd, folgt
Nicole Daudert ihren ersten Regungen, um diese im nächsten
Schritt
wieder zurück zu nehmen, zu korrigieren oder zu
verwerfen.
Ihre
Malerei eröffnet ein vieldeutiges Spannungsfeld zwischen
rhythmischer Geste und losgelassener Farbe.
Hier erschafft das
Zufällige Lineaturen und sogar nahezu
Gegenständliches. Zwischen
gewischtem Farbauftrag sowie sich
ausdehnenden Verbänden von
Farbflächen entwickelt Daudert
jenes Repertoire der Ausdrucksformen,
welches sich unserem
unmittelbaren Zugriff zu entziehen vermag.
Wir sehen beseitigte Spuren, sowie überdeckte Gewissheiten
und
dennoch einen konservierten Schaffensprozess.

In einem offenen Spektrum zwischen pastellig durchlichteten
Farbakkorden, reiner Farben und atmosphärischer Lasur
verdichtet sich diese erfahrbar konkrete Malerei zu
Werkfindungen
von verführerischer Anziehungskraft sowie
rätselhaft,
tiefenräumlicher Wirkung.
Eine Anziehungskraft,
die das
Ungewisse in Form und Geste überwindet sowie die
versammelte
Kraft des Arbeitsprozesses durchdringt.
Gleichzeitig durchschimmernd, sich gegenseitig hindurchlassend
oder auch verbergend, verdichten sich die Setzungen zu einer
dem
Werk
eigenen Semantik. Außerwerkliche Verweise oder
gegenständliche
Bezüge hat Daudert mit dieser neuen
Werkgruppe vollständig verlassen.
Im Vordergrund steht für die
Künstlerin, sich selbst im Verlauf des
Schaffensprozesses den
Bildraum zu eröffnen. Die durchscheinend oder
überlagernd aufgetragene Farbe wird zu einem Aufdecken.
Eine
Formfindung entspringt spontan ihrem Arbeiten.......
Das Zudecken, das
Farbe gewöhnlich auf einem Malgrund
bewirkt, bei Daudert wird es
zugleich zum Entdecken eines
ambivalenten Vorgangs der Bildwerdung, der sich zwischen
intuitivem Gestus
und Ziel gerichteter Formsetzung
sowie
Kompositionsfindung
entfaltet.
Als sei das Werk ein Fenster
drängen sich an- und
abschwellende Linienverläufe, wolkige Himmel und bewegte
Formverläufe über die Bildflächen und scheinen über diese
hinaus zu wollen. Die Leinwände, sie erscheinen seltsam
lebendig,
lassen sich wie durchlässige Membranen beobachten,
in denen sich die gewischten oder gekehrten Gesten nach den
Gesetzen einer
sinnlichen Osmose gegenseitig durchdringen.
Auch diese neue
Mallust
spürt jenen Vorstellungswelten nach,
die aus den Tiefen
des
Unterbewusstseins und der Erinnerung
an die
Oberfläche drängen.
Dauderts Malerei entspringt immer wieder auch der
Verinnerlichung
von
natürlichen Erscheinungsformen. Ihre
Arbeiten erscheinen
dann als
Resultate eines zurückhaltend,
erzählerischen Experiments, sich in
abstrahierten Fragmenten
die natürlichen Gefüge unserer
Lebensräume zu
vergegenwärtigen und sich gleichzeitig davon zu
befreien. Denn ohne künstlerisch imitierendes Zitat von
Landschaft
verfasst die Künstlerin aus den gelebten
Begegnungen mit der
Wirklichkeit und der dinglichen
Zergliederung des Gesehenen
vitale Bildererlebnisse.
Es entstehen organisch anmutende
Formationen, die
Geschichten erzählen können und doch ohne
gegenständliches Bedeutungsgehalt für sich selbst
stehen.
Mit archäologischem Spürsinn gräbt Daudert in den
Sedimenten ihrer Erfahrungen und Erinnerungen. Damit sind ihre
Motive nicht
unmittelbar landschaftliche Konzentrate, vielmehr
handeln sie von
dem Licht und der Hitze der Sonne, von Nähe
und Ferne,
vom Ungefähren im Licht der Dämmerung und vom
Ende einer
eindrücklichen Reise.
Sie spielen mit Wahrnehmungsphänomenen und
Farbpsychologie,
mit Vielfalt und Ordnung, mit Flüchtigkeit und
Angehaltensein.
Schließlich kennzeichnet ihre künstlerische
Ausformulierung
das an sich selbst beobachtete Reflektieren
über das eigene Sein
jenseits jeden
erfahrenen Ortes.
Ihre Werke sind sowohl ein Innen als auch ein Außen.
Im Außen machen ihre Werke die Erfahrung von Wahrnehmung
in der
Gegenwart deutlich: Mit steigender Geschwindigkeit
überlagern und
verwischen sich reale und virtuelle, vom
Menschen
belebte und vom
Menschen erschaffene, digitale
Räume.

Heute sehen und beobachten wir nicht mehr unsere Umwelt an
sich, sondern Abbilder einer Welt, die ein
Bildschirm für uns
erzeugt. Die Wirklichkeit verschwindet als Ereignis.
Sie wird zur variabel kontrollierbaren Nachahmung ihrer
Darstellung.
Dagegen erschafft Dauderts optischer Reichtum
ein Staunen über das sinnliche Erleben von Wirklichkeit.
Hier wird uns die Energie einer Malerei
zur Kenntnis gebracht,
die uns aus unseren vermeintlich sicheren Territorien
der Vernunft wegzuführen versteht. Durch feinfühlig aufgebaute
Farbqualitäten werden wir in immaterielle Räume geführt, in
denen
Fragen
nach der Gewissheit unserer Seherfahrung
an Bedeutung gewinnen.
In letzter Konsequenz jedoch wahren
sich diese Werke
die Aura des Geheimnisses.
All diesen Bildern ist ein Dazwischen gemeinsam.
Das Dazwischen ist
jene Spielwiese und der
Erfahrungsbereich dessen, den wir mit
unserem
Interesse
füllen können: der Bereich voll von Neugier,
der vagen
Entdeckungen sowie des bewussten Erkennens.
Mit ihren ganz eigenen Zeichensetzungen bewegt sich die
Malerei
Nicole Dauderts in diesen
Grenzräumen. Es ist die
Erfindung
einer Bildsprache ohne verabredete Bedeutungen.
Ihre Lesbarkeit liegt somit in einer vieldeutigen
lyrischen Vermittlung und kennzeichnet die Welt als subjektive
Wirklichkeitserfindung. .....
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COLOURNOCOLOUR
Christine Reeh, Auszug aus der Eröffungsrede zur Ausstellung
COLOURNOCOLOUR // Peters + Daudert in der Galerie Preview Süd,
Karlsruhe im November 2013
Nicole Daudert präsentiert uns Zeichnung und Malerei. Der von ihr
referierte Ausdruck der “andere Ort” ist ein Schlüsselbegriff bei der
Betrachtung ihrer Werke. Der “andere Ort” bezeichnet einen Ort mit
eigenen Gesetzmäßigkeiten, eine Parallelwelt, deren Offenbarung
von einem selber, der eigenen Wahrnehmung abhängt. Orte sind für
Nicole Daudert Ausgangspunkte für Bilder. Deren Kreation hat etwas
mit Stimmungen auch Emotionen zu tun, und auch mit der Zeit und den
Umständen, in denen sich Daudert während des Schaffensprozesses
befindet.

Farben werden in Dauderts Arbeiten zu Räumen und zu Orten,
man hat das Gefühl tatsächlich an andere Orte zu gelangen, die
sich erweitern und vertiefen, je länger man vor den Bildern weilt.
Die Acrylgemälde sind der Endzustand eines Prozesses, der auf
Farbschichten aufbaut. Es sind viele Bilder notwendig, bevor das
letzte entsteht, das bleibt. Sie malt erst dann weiter, wenn der
jeweilige Abstand groß genug ist, um unvoreingenommen und
neu sehen zu können: „Ich male erst dann an einem Bilder weiter,
wenn ich es vergessen habe“ sagt sie.
Sie reagiert beim Weitermalen auf das, was sie vorfindet, was sie
vormals hat stehen lassen. Es ist ein intuitiver Prozess bei dem
die Spannung und Atmung von Farbe und Form im Vordergrund
stehen, manchmal aber auch der Zufall von zerfließenden Farb-
spuren zugelassen wird.
Die Auseinandersetzung mit Landschaft steht auch bei Nicole
Dauderts Zeichnungen im Vordergrund. Diese entstehen aus der
Erinnerung an Ausflugsziele in die Natur, gelegen in Landkreisen,
auf die die Titel mit Nummerierungen verweisen, in diesem Fall
Kraichgau und Schwarzwald. Dauderts Zeichnungen sind hierbei
realistischer als ein Foto, insofern sie Innerlichkeit festhalten,
und Stimmungen in Bildspuren umwandeln.
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UNTERWEGS IN NEUEN WELTEN
Zeitungsartikel von Sigrid Feeser, RHEINPFALZ, 8.März 2013
In der Galerie Grandel ist die Farbe ausgebrochen, da ist man
gleich heiter gestimmt. Es sind rauschhaft aufleuchtende Farben,
die sich auf assoziative Weise ihren Weg suchen in den
brandneuen Bildern von Nicole Daudert, dabei ein reich
instrumentiertes, räumlich bewegtes Drunter und Drüber entfalten.
Der von der Künstlerin gegebene Hinweis auf die Farbpsychologie
mag durchaus eine Hilfe sein. Muss es aber nicht. Hier geht es um
gemalte Gefühle und Stimmungen, um „Räume des Lichts und der
Farbe“. Sie erinnern, so Daudert, „an Zooms in neue Welten oder
an Orte, die man nur im Traum durchstreift“. Das kann man so
stehen lassen, über das schöne Reich des im Bild gebändigten
Ungefähr lässt sich nicht rechten.

Im Beiprogramm rasch hingeworfene Reiseskizzen von durchaus
eigenem Reiz.
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SCHÖNSTE FARBTRÄUME
Zeitungsartikel von Dr. Susanne Kaeppele, Mannheimer Morgen,
Samstag, 02.03.2013
Lebhafte, frische Farben, von Rosa über Hellgrün zu Gelb, dann
Rot und Blau, winden sich in floralen Formen durch den Raum
der Mannheimer Galerie Grandel. Lianen, aber auch an Blätter
erinnernde Muster treffen sich wie von alleine zu einem fröhlich
-munteren Stelldichein. Das Leben in und mit der Natur selbst
scheint angesprochen zu sein auf den Gemälden von Daudert.

Die 1966 geborene Künstlerin, die an der Akademie in
Karlsruhe studierte und etliche Preise und Stipendien erhielt,
malt mit Acryl abstrakte Bilder. Auf ihnen überlappen sich
häufig die Farben, öffnen sich Farbräume auf der nun mal nur
zweidimensionalen Bildfläche, entstehen durch Wischen,
Tropfen und Laufenlassen fremde, nie gesehene Orte.
Rauschhafte Bildwelten
Im realen Leben gehen den Arbeiten Skizzen, häufig auf Reisen
entstanden, voraus, aber was dann entsteht, sind Träume,
Farbträume. Am schönsten kann man das in den kleine
Gemälden im Hauptraum sehen, die dicht in einer Reihe
hängen: Da scheinen sich die Themen und Farben zu
überlagern, obgleich jedes der organisch-abstrakten Motive
in sich abgeschlossen ist, kommt der Eindruck des einen
Bildes zum nächsten dazu, wird aus der Summe der einzelnen
Werke ein einziger großer Farbrausch.
Das große Gemälde "Fukushima" von 2011 allerdings scheint
viel zu harmlos, viel zu farbenfroh und munter für den Titel.
Die Künstlerin meint zwar mit der großen Fläche Rot das Blut
anzusprechen, das durch die nukleare Katastrophe in Japan
vergossen worden sei, aber die Zahl der Toten allein ist nicht
das Problem von Fukushima, dazu kommt die atomare
Verstrahlung der Bevölkerung und der Umwelt.
Man möchte ihr raten, in Zukunft auf zu schwere Titel zu verzichten.
Man kann das Gemälde aber gut zum Vergleich mit den
kleinen Werken aus diesem Jahr heranziehen: Heute geht sie
weg von klaren Linien und abgemessenen Farbflächen hin
zu offener Gestaltung und ganz freiem Strich.
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OPULENTE FARBSTILLLEBEN
Dr. Martina Kitzing-Bretz zu "Lucky Space // Farbtransformationen
MalereiDialog zwischen Jochen Schambeck und Nicole Daudert",
Galerie Roland Grandel, Wasserschloß Bad Rappenau, 2010
"Gespritzt und gedrückt sind die pastosen Farbkompositionen
von Jochen Schambeck (1964), gemalt und gegossen die dünn-
flüssigen Landschaftsräume von Nicole Daudert (1966). Beide
Künstler stellen, obwohl sie schon lange ein in Karlsruhe zusammen
lebendes Paar sind, zum ersten Mal gemeinsam im Wasserschloss
aus.

Überrascht sei sie gewesen, so berichtet Nicole Daudert in dem
Künstlergespräch mit Reinhold Weinmann von der Galerie
Dr. Grandel, dass sich beim Hängen der Ausstellung so viele
Gemeinsamkeiten zwischen ihrer und Jochen Schambecks Kunst
ergeben hätten. Und das, obwohl ihre Arbeiten kaum gegensätzlicher
wirken könnten. Die Parallelen liegen in der Farbigkeit und reichen aus,
einen Ausstellungsraum dem Thema „Paar“ zu widmen. Hier hängen
friedlich ein überschäumendes „Splash Out“ von Schambeck und ein
ruhiges Fließen einer unbetitelten Malerei von Daudert nebeneinander.
Schmeißt der eine schon einmal von einer Trittleiter aus Farbe auf den
am Boden liegenden Bildträger, nimmt die andere höchstens einmal
einen Fön zur Hand, um dem Farbfluss eine bestimmte Richtung zu
geben. Die Schüttungen und die Malerei mit dem Pinsel gehen ihr ruhig
von der Hand, und die fließenden Linien bilden eine Art Gerüst, das die
Komposition trägt. Diese besteht aus großzügigen Farbflächen, die
Landschaft oder Pflanzen andeuten und sich auf der Bildfläche zu bewegen
scheinen. Das extreme Format ihrer Bilder führt die Künstlerin auf
traditionelle ostasiatische Tuschmalerei oder Kalligraphie auf
chinesischen Rollenbildern zurück.
Vermittelt die Malerei Dauderts durch sich überlappende, transparente
Farbflächen einen Raumeindruck, sind die Arbeiten von Schambeck
tatsächlich plastische, dreidimensionale Gebilde. Mit seinen
orgiastischen Kompositionen aus Ölfarben, die er mit seinen Händen
zu expansiven Reliefs knetet, überschreitet er die Grenze der Malerei
und betritt die Gattung der Bildhauerei. Dass es dem Künstler, der
genauso wie Daudert an der Kunstakademie Karlsruhe studierte,
um das Prozesshafte der Kunst geht, machen seine Objekte deutlich:
Eingearbeitet in die Farbströme und -ballen sind Handschuhe, Farbtuben
oder andere Gegenstände des Arbeitsprozesses. „Rigoros und schonungslos“
nennt er seine Malerei, die er nur scheinbar gänzlich der Schönheit des
Zufalls überlässt.
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DER ANDERE ORT
Stadtbibliothek Karlsruhe, 2008, Pressetext
Die durch ihre expressiven Farbräume bekannte Künstlerin
Nicole Daudert zeigt in ihren neuen Arbeiten nur vordergründig
ein klassisches Sujet der Malerei. "Der andere Ort“ faßt
thematisch Arbeiten zusammen, die sich mit Landschaft
auseinandersetzen.
Auf der einen Seite stehen die Zeichnungen, die im Zusammenhang
mit einer durchgeführten Aktion wie einer Wanderung, Stadt-
besichtigung, Autoroute etc stehen. Eine Ebene der Zeichnung
beschäftigt sich mit der Route. Die Wegstrecke wird entweder
im Voraus geplant oder im Nachhinein durch Abpausen des
Wegverlaufes von einer Landkarte reflektiert. Die zweite Ebene
beschäftigt sich mit der Erinnerung an die gelebte Landschafts bzw
Stadterfahrung. Die in der Zeichnung fixierte Erinnerung wird mit
der Planung gepaart und zu einem Bild kombiniert, das eine Orts-
begehung an einem fremden Ort durch zwei unterschiedliche
Ebenen der Wahrnehmung umklammert.

Auf der anderen Seite steht die Malerei, die Landschaftssituationen
durch den Einsatz von Farbe und Form entstehen läßt. Hier durch-
mischen sich die Ebenen der einzelnen Entstehungsschichten bis
sich neue Formationen ablesen lassen und malerisch ausformuliert
werden. Die räumlichen Situationen erinnern an Zooms in neue
Welten oder an Orte, die man nur im Traum durchstreift. Entstehen
die Zeichnungen aus der Auseinandersetzung mit einem realen Ort,
meistens auf Reisen, finden sich die Gemälde im Atelier mit dem
Blick auf einen Ort, der sich physikalisch nicht beschreiben läßt,
speist er sich doch mit Erinnerungen und Gedanken an
Stimmungen und Situationen um vordergründig als Landschaft
an die Oberfläche zu tauchen.

„Der andere Ort“ reflektiert über das Medium Bild nicht nur das
physikalische Reisen, sondern zeichnet auch das Reisen durch
den eigenen Kopf auf.
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DIE FARBEXPRESSIONISTIN
Stefan Endlich, 2001, Presseartikel zur Ausstellung
Daudert+Fieg-Pavlik
in der Galerie Altes Rathaus in Wörth am Rhein
"Aus den Linien, Rechtecken und Formkontrasten lässt sich
das jeweilige Werk sowohl gegenständlich als auch abstrakt sehen.
Die Farbexpressionistin, wie sie sich selbst nennt, hatte vor Jahren
angefangen "die Dreidimensionalität des Raumes durch Farbe
zu ersetzen." Die Farbräume, die Nicole Daudert schafft, basieren
auf einer subjektiven Auswahl.

Dr. Matthias Brück, der eine Einführung in die Ausstellung
unternahm, sprach von einer "optischen Geschlossenheit",
die den ersten Blick des Betrachtenden anhalte. Wer danach
wegschaue, habe etwas verpasst. Denn plötzlich begännen die
Farben etwas ins Werk zu setzen. Obgleich in einem spartanischen
Formen-Kontext aus Rechteck und Quadrat eingebunden,
entfalten die Farben Wirkungen,würden aktiv und gestalteten Räume...."
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FLÄCHENORGANISATION AUS RECHTECKIGEN FELDERN
Stuttgarter Zeitung, 2000, Presseartikel zur Ausstellung Daudert
+ Ohlmer in der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgart
"Nicole Daudert hat sich in ihrer Malerei mit Acryl auf Baumwolle
einem strengen Reglement unterworfen. Ob "Raumbilder",
"Konstruktionen" oder "Fensterbilder", das gemeinsame Thema
der jetzt in der Kunststiftung Baden-Württemberg ausgestellten
Arbeiten ist die Flächenorganisation aus rechteckigen Farbfeldern
in immer den gleichen gebrochenen Pastelltönen ...
Die dabei entstehenden räumlichen Verhältnisse lassen
erkennen, daß Daudert die Gesetze der Zentralperspektive ebenso
ins Kalkül zieht, wie die der räumlichen Wirkungen von
Farbbeziehungen. Der Betrachter wird dazu verführt,Wege durch
das Bild zu suchen, gerät aber immer wieder in räumliche Sackgassen.

Die vertrackte Mischung von Drei- und Zweidimensionalität ist das
Prinzip, das auch bei den als "Fenster" apostrophierten kleinen
Formaten den logischen Ausblick versperrt..."
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STRUKTUR IST AUCH NUR EIN MITTEL DER GESTALTUNG
Michael Hübl, Badische Neueste Nachrichten 1998, Presseartikel
zur Ausstellung in der Galerie von Tempelhoff in Karlsruhe

"De gele rijder", der gelbe Reiter, hieß die erste Galerie, in der
Nicole Daudert ausstellte. Der Name klingt nach später Anspielung
auf die Künstlergruppe "Der blaue Reiter". Die ist längst über alle
blauen Berge, und mit dem expressionistischen, von der Suche
nach Ursprünglichkeit geprägten Grundzug der Gruppe um
Wassily Kandinsky und Franz Marc hat die Malerei der 31jährigen
ebenfalls wenig gemein.
Und doch passt das mit dem "gelben Reiter". Denn Gelb in
unterschiedlichen Anmischungen ist ein wichtiger Farbton in der
Palette der Künstlerin...
Gelb ist aber nicht nur ein Ton im Zusammenhang mit anderen
meist monochrom aufgetragenen, kräftigen Farben, die Farbe gelb
ist auch Instrument, Hilfsmittel, um die einzelnen, geometrisch
konturierten Flächen....zusammenzufassen. ...
Malerische Wirkung ist hier eindeutig als bestimmte handwerkliche
Technik gekennzeichnet. Malerische Sruktur ist nicht Ausdruck
eines wie auch immer gearteten künstlerischen Ringens....
sondern ist das Ergebnis bestimmter Methoden,
die zum Resultat "Bild" führen.
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THEORETISCHER BLICK AUF DINGE DES ALLTAGS
Dr.Ulrike Lehmann, Auszug aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung
in der Galerie von Tempelhoff 1998 in Karlsruhe
Beeinflußt von der niederländischen Stilleben-Malerei und der
zeitgenössischen Malerei niederländischer Künstler,
intensivierte Daudert den Blick auf alltägliche Dinge, auf
Gegenstände, die sie in ihrer Umgebung und besonders in
ihrem Atelier vorfindet....
Dabei werden bestimmte, dem Gegenstand eigene Strukturen
gewahr, wie vor allem die formale Beschaffenheit des Objekts:
dessen richtungsweisende Dreidimensionalität oder Flächigkeit,
Volumen und
Hohlraum, bei Behältern und Gläsern auch das Verhältnis
von Innen und Außen, und nicht zuletzt auch die Reflexionen
des Lichts auf der Oberfläche. Dieses rötgenartige Schauen kann,
mit Vilem Flusser, als theoretisches Schauen umschrieben werden.
Das Gemälde mit Body und Wasserglas halte ich.....
für ein zentrales Bild in der Ausstellung, weil es über den bereits
abstrahiert dargestellten Gegenstand hinaus weitere Hinweise und
Aufschlüsse über das Verhältnis der Künstlerin zu vorgefundenen
Gegenständen und nicht zuletzt auch über die uns allen vertraute
Subjekt-Objekt-Beziehungen gibt....
Ihre Malerei lenkt also den Blick auf uns gewöhnliche Gegenstände,
die durch den malerischen Akt jedoch verfremdet werden und
damit einen erneuten, nun distanzierten und theoretischen Blick
auf die Dinge des Alltags ermöglichen, der im Gewöhnlichen und
Gewohnten Unerwartetes entdeckt...

Die reale Gegenstandswelt stellt sich im Vergleich zur Medienwelt
als scheinbar zeitlose, stille und beharrliche Welt zum Anfassen dar,
die wie ein in sich ruhendes Manifest unseres Daseins erscheint
und ein Rest von Ewigkeit zumindest auf Zeit wiederspiegelt.
Damit wird deutlich, wie sehr unsere Beziehung zu Objekten
an Bedeutung gewinnt - im Alltagsleben wie in der Kunst ....
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